Die Konkurrenzklausel - ein krallenloser Papiertiger oder ruinöser Karrieren-Killer?

Die Konkurrenzklausel - ein krallenloser Papiertiger oder ruinöser Karrieren-Killer?

Auch Anstellungsverträge für Versicherungsberatende halten fest, was bei einer Vertragsauflösung Sache ist.

So wird die Rückgabe aller Unterlagen und Informationen wie z.B. der pendenten Anbahnungen, etc. unter Verzicht auf allfällige Eigentümer- oder Entschädigungsansprüche vorgeschrieben. Der Arbeitgeber kann zu Recht davon ausgehen, dass er für diese Leistungen während der Anstellungsdauer bezahlt hat.  Auch das Behändigen von Kopien solcher Unterlagen wird untersagt.

Wer bei einem neuen Arbeitgeber im Versicherungsaussendienst tätig werden will, kann sein Beziehungsfeld wohl nutzen, muss jedoch die Kundengewinnung auf neuen Grundlagen aufbauen. Unter zusätzlicher Berücksichtigung einer Konkurrenz- und Abwerbeverbots-Klausel, die in den meisten Verträgen für zwei Jahre formuliert ist, scheint ein Wechsel des Arbeitgebers mit sehr hohen Hürden versehen zu sein.

Konventionalstrafen in der Höhe von CHF 5‘000 pro abgeworbenen Kunden zuzüglich den Betrag einer Jahresprämie der abgeworbenen Verträge zeigen, dass die Branche die Kundentreue zur Gesellschaft weniger hoch einschätzt als die persönliche Bindung zum Aussendienst. Einerseits verständlich, da die Kundenbindung zum Berater im Idealfall das Ausmass eines persönlichen Vertrauten „in allen Lebenslagen“ und Freundes erreicht. Andererseits ein einschneidendes Verbot, diese Vertrauensbeziehung unter neuen Voraussetzungen weiter pflegen zu dürfen.

Ein Berufsverbot?

Hier sei die Frage gestattet, ob der Branche als Ganzes mit diesen Klauseln ein Dienst geleistet wird oder allenfalls eine partnerschaftliche, einvernehmliche Lösung anzustreben wäre.

Eine rechtliche Beurteilung kann erst vor Gericht und im Einzelfall erfolgen. Damit dies geschieht, muss der Arbeitgeber klagen. Ein Rechtsstreit kann zwei Jahre und länger dauern und ist mit hohen Kosten und entsprechendem Zeitaufwand verbunden. Gut bedient ist, wer in diesem Fall eine  Rechtsschutzversicherung mit entsprechender Deckung zur Hand hat, wie es der Mitglieder-Rechtsschutz des SVVIA formuliert hat.

Ein Papiertiger?

Ein eng gefasstes Konkurrenz- und Abwerbeverbot wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht geschützt, da unter anderem auch die geographische Eingrenzung, die Dauer (von zwei Jahren) und die Frage nach der Einsicht in Betriebsgeheimnisse, die dem Arbeitgeber massgeblichen Schaden zuführen könnte, eine Rolle spielt. Und schlussendlich ist zu beweisen, ob aktiv (vom Angeklagtem angegangen) oder passiv (auf Kundenwunsch / freie Wahl der Gesellschaft und dem Ansprechpartner) der Kunde seine Entscheidung gefällt hat.

Wer hat gekündigt?

Wichtig zu wissen ist, dass die Klauseln verwirkt sind, wenn der Arbeitgeber kündigt. Darunter fallen auch die in letzter Zeit sich häufenden Aenderungs-Kündigungen. Ebenso sind Klauseln bei ordentlicher oder IV-Pensionierung nichtig.

Was bleibt, sind Sanktionsmöglichkeiten für bewusst gesellschaftsschädigende Jobhüpfer, die aktiv und mit Absicht ihre Kundschaft als Manöveriermasse beim neuen Arbeitgeber als Einstiegswert  andienen.

Es scheint, dass trotz dem wahrscheinlich auf gewichtigen Gründen basierenden Entscheid, die Stelle zu wechseln, ein Neubeginn bei Beachtung fairen Handelns neue Zukunfts-Chancen ohne gravierende Nachteile für alle Beteiligten eröffnen kann. 

Scheiden tut weh! Rosenkrieg oder Konvention?

Eine gute Referenz und das Vertrauen im Dreieck Kunde – Gesellschaft – scheidender Berater beibehalten ist nach einer Vertragsauflösung professionell und matchentscheidend. So gesehen gehören Rosenkriege zu den negativsten Betriebsunfällen, die es zu vermeiden gilt.

Autor: Ernst Bärtschi, SVVIA-Zentralsekretär  
Mehr Informationen zum Berufsverband SVVIA unter: www.svvia.ch

 

 

Ihre Meinung zum Thema:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

HIER geht's zur Website!